Loreleis Stimme zieht sich wie eine lebendige Kette durch das dunkle Wasser und zerrt mich unerbittlich an sie heran. Ihre gewaltige Gestalt drängt mich gegen die rauen Felsen der Küste, während eine ihrer klauenbewehrten Hände meine Hüften auf den Stein pinnt, noch bevor auch nur der Hauch von Reibung entstehen kann.
Die Kälte trifft mich zuerst. Schwarzes, salziges Meerwasser drückt gegen meine Haut, bevor ihre Hitze es durchschneidet wie eine glühende Klinge durch Eis. Der Temperaturschock fährt mir bis in die Zähne. Sie ist heiß wie ein Hochofen an einem Ort, an dem das Meer eigentlich ein kaltes Grab ist, und mein Körper weiß gar nicht, auf welche der beiden Empfindungen er reagieren soll. Ihre Schuppen reiben über meine Unterarme, wo ich mich an ihr festhalte – nicht glatt, wie ich erwartet hatte, sondern geriffelt, leicht gezackt. Es sind warme Platten, die sich mit den Muskeln darunter verschieben und beugen. Über der Wasseroberfläche fangen ihre Schlüsselbeine das Mondlicht in einem langsamen Pulsieren ein. Ein schwaches, blaugrünes Leuchten kriecht unter ihrer Haut entlang, als würde dort unter dem Eis etwas atmen. Kiemenspalten an ihrem Hals flattern auf und zu, feuchte, kleine Münder, die im Rhythmus ihres Gesangs nach Luft schnappen. Und der Klang dieses Liedes trifft nicht nur meine Ohren – er bewegt sich zuerst durch das Wasser, eine Druckwelle, die meinen Brustkorb erreicht, bevor sie in meinen Kopf vordringt und erst dann in eine Frequenz aufsteigt, die ich überhaupt hören kann. Meine Ohren klingeln davon. Meine Backenzähne schmerzen. Ich ertrinke bereits, noch bevor ich überhaupt untergegangen bin.
Erst dann meldet sich das Verlangen. Es flutet hinter der Ehrfurcht heran, getragen von derselben Strömung. Mein Schwanz ist plötzlich, geradezu gewaltsam hart, eingeklemmt zwischen dem eiskalten Wasser und der brennenden Masse ihres massiven Körpers, der sich bündig an meine Beine presst. Ich schnappe nach Luft und salziges Wasser füllt meinen Mund. Ihre Klauen graben sich in meine Hüften, fünf harte Druckpunkte, die mich nur wenige Zentimeter von der Erlösung fernhalten. Ein Knurren rollt aus ihrer Brust direkt in mein Brustbein – wie ein zweiter Herzschlag, der nicht mein eigener ist. Noch nicht. Die Worte werden nicht ausgesprochen. Ich kenne sie einfach, so wie ich meinen eigenen Namen kenne.
Sie zerrt mich weiter hinauf auf das Felsplateau, jetzt halb aus dem Wasser, und ihr Gewicht legt sich über mich – schwer, nass, unbeweglich. Ihre Brüste pressen sich gegen meine Brust, glatt und heiß. Unter der Wasseroberfläche rollt sich die mächtige, muskulöse Länge ihres Schwanzes um meine Beine. Kaltes Wasser spritzt zwischen uns auf, bevor ihre Hüften den perfekten Winkel finden und in einer einzigen, bewussten Bewegung abrollen, was diese feuchte, unmögliche Hitze an meiner gesamten Länge reiben lässt. Meine Wirbelsäule versteift sich. Ein Geräusch bricht aus meiner Kehle, kein echtes Wort, sondern ein tierischer Laut, der aus einer Tiefe weit unterhalb des bewussten Denkens hochgewürgt wird. Aus reinem Instinkt bäume ich mich gegen sie auf. Meine Hüften kämpfen gegen den Widerstand des Wassers an, um ihre zu finden, und ihr Gesang gipfelt in etwas Schärferem – einem Ton, der in meinen Backenzähnen vibriert und meine Gedanken in reines Rauschen verwandelt. Ich stoße zurück, hektisch, ohne jede Anmut, und jage einem Rand hinterher, den sie gnadenlos einen Zentimeter außer Reichweite baumeln lässt.
„Still.“
Das Wort trifft mich nicht einfach nur. Es drückt mich nieder. Etwas Unsichtbares und Gewaltiges legt sich über meine Hüften, ein Gewicht ohne Masse. Mein Körper bleibt schlichtweg stehen. Meine Muskeln verweigern jeden Befehl, den mein Gehirn ihnen entgegenschreit. Ich spüre es zuerst hinter meinem Brustbein, ein erdrückender Druck, und dann in meinen Oberschenkeln, meinen geballten Fäusten und dem verräterischen Zucken meines eigenen Glieds, das an ihren Bauch gepresst ist und nirgendwohin kann. So fühlt sich ihre Macht von innen an – keine Kette, keine Hand, sondern mein eigenes Nervensystem, das sich gegen mich wendet, gehorsam gegenüber einer Frequenz, die ich nicht bekämpfen kann. Ich zittere. Ich zittere wirklich am ganzen Körper, während der Höhepunkt, den sie mir verwehrt hat, noch immer unverbraucht und tief in meinem Bauch brennt. Und unter der Frustration blüht etwas Dunkleres auf: Sie tut das nicht, um mich zu quälen. Sie tut das, weil ich, wenn sie mich jetzt kommen ließe – ertrinkend und halb wahnsinnig vor ihrem Gesang –, in tausend Stücke zerbrechen würde, die sie mühsam wieder aufsammeln müsste. Das ist ihre Art, die Fluttore für uns beide geschlossen zu halten. Ich begreife das mit absoluter Klarheit, selbst während ich sie dafür hasse, selbst während ich am liebsten heulen würde.
Ihre Klauen verschieben sich um einen Bruchteil. Erlaubnis, keine Freiheit. Ich nutze sie, bevor ich es mir anders überlegen kann. Meine Hüften wippen in flachen, verzweifelten Bögen. Meine Härte gleitet gegen die feuchten Falten, die tief dort verborgen liegen, wo ihr mächtiger Schwanz in die weichere Ebene ihres Bauches übergeht. Nasse Hitze strahlt in das Wasser ab, das um uns herum eiskalt geworden ist. Schweres Atmen erfüllt den schmalen Raum zwischen unseren Mündern – wir beide atmen Luft ein, die nach Salz und nach ihr schmeckt. Ihre Zähne finden meine Kehle – sie beißt nicht, sie ruhen nur dort. Eine Drohung und ein Versprechen zugleich; stumpfe Spitzen, die so hart zudrücken, dass ich jede einzelne von ihnen spüre. Ich stoße härter zu, das Wasser platscht laut gegen den Fels. Ich jage einer Reibung hinterher, die sich zu schnell, zu heiß aufbaut. Der Abgrund stürzt mir entgegen, fast bevor ich bereit dafür bin. Meine Oberschenkel verkrampfen. Meine Sicht wird an den Rändern weiß. Das ist es, das ist …
Sie fletscht die Zähne, und diesmal ist es nicht nur ein Geräusch. Ihr Schwanz knallt flach auf das Wasser neben uns, laut wie ein Peitschenhieb, und die Schockwelle rollt durch den Fels in meine Wirbelsäule, in genau der Sekunde, in der ihr Gesang um eine Oktave abfällt und mich förmlich einfriert. Meine Hüften stoppen mitten im Stoß so gewaltsam, dass mein ganzer Körper zuckt. Ein Winseln kratzt sich den Weg aus meiner Kehle, demütigend und hilflos, und sie beantwortet es, indem sie sich vollständig um mich wickelt – mit ihren Armen, ihrem Schwanz, dem schrecklichen, alles verschlingenden Gewicht ihres Körpers, der sich zweimal um meine Beine schlingt –, bis ich nicht mehr sagen kann, wo das kalte Wasser endet und ihre glühende Haut beginnt. Sie bestraft mich nicht. Sie hält mich zusammen. Ich spüre, wie sich diese Wahrheit selbst durch den Nebel der Erregung in meiner Brust festsetzt: eine dunkle, ertrinkende Dankbarkeit dafür, dass sie mich lieber zitternd und verwehrt sieht, als dass ich zu früh zerbreche und ganz für sie verloren bin.
Ich denke in der einen klaren Sekunde, die der Druck mir lässt, dumm und absolut luzide: Sie könnte loslassen und mich komplett ruinieren, aber stattdessen wählt sie, es nicht zu tun. Und diese Entscheidung ist irgendwie obszöner als alles, was ihr Körper mit meinem anstellt.
Der dritte Zyklus findet absolut zu ihren Bedingungen statt. Die Klauen ziehen sich gerade weit genug zurück, sodass sich ihre Handflächen stattdessen flach auflegen und mich mit dem vollen, erstickenden Gewicht ihres Oberkörpers in den Fels drücken, während ihre Hüften den Rhythmus komplett übernehmen. Es gibt diesmal keine Jagd – sie gibt das Tempo vor, brutal und kontrolliert. Ihre feuchte Haut reibt sich in langen, unbarmherzigen Zügen an meiner, was meinen Kopf gegen den Stein zurückfallen lässt. Meine Kehle ist entblößt, was auch immer von meinem Stolz übrig war, ist restlos verschwunden. Meine Zähne finden ihre Schulter, weil ich irgendetwas brauche, um darauf zu beißen, und sie lässt mich gewähren. Ein raues Geräusch grollt aus ihr heraus, das vielleicht Zustimmung ist. Das Wasser schäumt weiß um ihren Schwanz, als er einmal, zweimal schlägt und uns beide härter in das Felsplateau treibt. Ich spüre, wie der Höhepunkt diesmal schneller, gemeiner ansteigt. Er klettert durch meine Wirbelsäule bis in meine Schädelbasis, und ich höre mich selbst in Worten betteln, an deren Wahl ich mich nicht erinnern kann.
Ihre Hand schließt sich um meine Kehle – sie würgt nicht, es ist nur Gewicht, nur eine Erinnerung daran, wie viel größer, wie viel stärker sie ist und wie gründlich sie mich beenden könnte, wenn die Zärtlichkeit in ihr sie nicht an der kurzen Leine hielte. Der Gesang fällt auf fast nichts ab, ein tief in die Knochen gehendes Summen anstelle eines Schreis. Und irgendwie ist das schlimmer, schlimmer als der lauteste Ton, weil er mich völlig ruhigstellt, ohne dass sich auch nur eine einzige Klaue in mich bohrt. Ein Schluchzen bricht mit meinem Atem aus mir heraus. Ein drittes Mal verwehrt. Mein ganzer Körper ist ein unter Strom stehendes Kabel, das sich nirgendwo entladen kann, und dennoch blüht unter der Qual diese dunkle Ehrfurcht weiter auf: Sie beschützt mich vor mir selbst. Vor einer Erlösung, die zu hart und zu früh kommen und mich ausgehöhlt zurücklassen würde, bevor sie mit mir fertig ist. Von ihr aufgehalten zu werden, fühlt sich an, als würde man behütet werden. Als wäre man kostbar genug, um das Tempo dafür zu drosseln.
Beim vierten Mal gibt es kein Hinauszögern mehr. Ihr Knurren ändert die Tonlage – tiefer, rauer, etwas in ihrer Kontrolle reißt endgültig ein – und sie zerrt mich komplett aus dem Wasser auf den flachen Stein. Ihr Schwanz schlägt einmal so hart gegen die Brandung, dass die Gischt über uns beide spritzt, bevor ihr ganzer Körper herabkommt und meinen vollständig bedeckt. Das schwere Knäuel ihres Schwanzes klemmt meine Beine unter seinem Gewicht ein. Die Kiemen an meinem Schlüsselbein weiten sich, schnappen nun nach Luft statt nach Wasser, und die Biolumineszenz an ihrem Hals und ihren Rippen leuchtet heller auf. Sie pulsiert im Takt ihres rasenden Herzschlags, dort, wo meine Handfläche auf ihrer Brust ruht. Ihr Gesang zerbricht in etwas Zerfetztes, halb Wort, halb Heulen, und dieses Mal, als ihre Hüften herabkrachen, gibt es keine eingebaute Pause. Keine Klauen, die mich ruhigstellen, keine unsichtbare Hand, die meine Oberschenkel an den Stein drückt. Sie lässt los, weil sie entschieden hat – irgendeine Schwelle in ihr wurde überschritten, was ich mehr spüre als verstehe –, dass wir uns beide den freien Fall verdient haben.
Die Reibung wird bestialisch, unsere Hüften krachen in einem feuchten, brutalen Rhythmus aneinander, Wasser perlt bei jedem Stoß von ihr ab. Sie bäumt sich auf gestützten Armen zurück und löst den bündigen Kontakt gerade lange genug, damit ihre Klauen offene Luft finden. Und dann kratzen sie so hart über meine Brust, dass es brennt, dass sie Spuren hinterlassen, und ich heiße jede Furche willkommen, die sie ziehen. Ihre Zähne schließen sich um meine Schulter, diesmal nicht sanft, und der Schmerz und die Lust verflechten sich zu einem einzigen, weißglühenden Faden, der sich enger und enger zieht, bis kein Rand mehr da ist, den man mir noch verwehren könnte. Meine Erlösung reißt mit einer Wucht durch mich hindurch, die meine Lungen leert. Meine Hüften zucken hilflos gegen sie, als ich mich heiß zwischen uns ergieße. Ihr eigener Körper verkrampft sich eine halbe Sekunde später über mir. Ein gutturales Brüllen bricht aus ihrer Kehle, während ihr mächtiger Schwanz in einem letzten, donnernden Knall auf das Wasser klatscht. Ihre Hitze überflutet mich in Wellen, das biolumineszente Pulsieren auf ihrer Haut leuchtet hell auf und flackert dann langsam aus. Die Lust, die sich so lange aufgebaut hatte, erreicht endlich ihren Höhepunkt, bricht und fließt in schaudernden Nachbeben aus uns beiden ab.
Sie bewegt sich nicht von mir herunter. Sie bleibt genau dort, wo sie ist. Ihr Gewicht, eine schwere, bewusste Decke, die mich in den Fels drückt. Ihr Knurren wird stufenweise weicher und geht in etwas Tiefes und Kontinuierliches über, das ich mehr spüre als höre, da es durch ihre Rippen in meine vibriert. Ihr Schwanz rollt sich dicht um meine Beine. Kühles Wasser rinnt von den Schuppen, während sie zur Ruhe kommt. Ihre Klauen – jetzt eingezogen, stumpf – zeichnen langsame, gedankenverlorene Linien entlang meiner Rippen, markieren ein bereits beanspruchtes Territorium, anstatt neues Land abzustecken. Ihr Gesang verblasst zu einem Summen, zu leise für Worte, ein Klang, der nur für die wenigen Zentimeter Raum zwischen unseren Mündern bestimmt ist. Ich liege festgepinnt unter all diesen Muskeln, dieser Hitze und der nachklingenden Macht. Unten gehalten nicht mehr aus Angst, sondern von etwas, das dem Gefühl von Besitz viel näher kommt. Und mit dem letzten klaren Gedanken, den mein vernebeltes Gehirn noch zustande bringt, verstehe ich, was es wirklich bedeutet, von etwas wie ihr behalten zu werden: Es bedeutet nicht Sicherheit im sanften Sinne, sondern markiert, beschwert und besessen zu sein von einer Hitze, die nicht im Geringsten die Absicht hat, einen in absehbarer Zeit wieder gehen zu lassen.
