Die Frage wollte einfach nicht verschwinden und kreiste in Mias Kopf wie ein langsamer, unerbittlicher Puls: Bargen Carls anhaltende Blicke auch nur die geringste Spur von echtem Verlangen, oder waren sie lediglich zu einer weiteren Gewohnheit geworden, geboren aus zu vielen gemeinsam durchwachten Nächten? Sie lag steif in ihrem Bett, die Laken um ihre Beine verheddert, während die Stille des Hochhauses von allen Seiten auf sie eindrang. Mitternacht hatte sich schon lange über die Wohnung gelegt, dicht und unbeweglich, doch ihr Körper verweigerte jegliche Ruhe. Durch die dünne Wand bildete sie sich ein, die Verlagerung seines Gewichts zu hören, das schwache Ziehen seines Atems, das ihrer eigenen Schlaflosigkeit entsprach.
Auf der anderen Seite dieser Wand starrte Carl an die Decke, die Kiefer angespannt. Ihr Duft war wieder durch den Spalt unter der Tür gedrungen; die Süße von Lavendelseife, die an warmen Laken haftete und sich in seine Lungen webte, bis jeder Atemzug nach ihr schmeckte. Das ging nun schon seit Wochen so, und seine Wahrnehmung schärfte sich jedes Mal, wenn er ihn einfing. Er redete sich ein, es bedeute nichts, es sei nur die räumliche Nähe, doch die Lüge wog schwer, wenn sich sein Schwanz gegen das Laken regte – schon beim bloßen Gedanken an ihren trotzigen Mund.
Mia stand als Erste auf. Barfuß tapste sie ins Wohnzimmer, nur mit dem dünnen Top und den Baumwollshorts bekleidet, in denen sie schlief. Der Stoff klebte dort, wo sich Schweiß an ihrem unteren Rücken gesammelt hatte. Die Lichter der Stadt unter den bodentiefen Fenstern tauchten den Raum in ein gedämpftes Gold. Mit verschränkten Armen tigerte sie den Teppich auf und ab und versuchte, der Frage zu entkommen, die sie unerbittlich verfolgte.
Carl fand sie wenige Augenblicke später dort, von derselben inneren Unruhe aus dem Bett getrieben. Er trug nichts weiter als eine tief sitzende schwarze Jogginghose, die Brust war entblößt, und das schwache Licht verfing sich an der Muskelpartie seines Bauches. Sein Blick fiel auf sie und blieb haften; schwerer, als er es eigentlich durfte, besitzergreifend auf eine Art, die ihren Puls in die Höhe trieb, noch bevor einer von beiden ein Wort sagte.
In den Wochen zuvor hatten sich kleine Zusammenstöße gehäuft, ohne dass einer von ihnen es beim Namen genannt hätte: ihre Schulter an seiner in der engen Küche, das Streifen ihres Oberschenkels, als beide nach demselben Glas griffen, seine Hand, die ihre Hüfte berührte, als sie in einem Flur aneinander vorbeigingen, der zu eng war, um es als Versehen abzutun. Jedes Mal hatte Carl sich eingeredet, es hätte nichts zu bedeuten. Jedes Mal war es schwerer geworden, diese Lüge aufrechtzuerhalten.
Nun umkreisten sie einander im Dunkeln; ruhelose Schritte, die sie unbeabsichtigt näher zusammenbrachten, während der Teppich das Geräusch ihrer nackten Füße verschluckte. Hitze breitete sich unter ihrer Haut aus, als sein Weg den ihren erneut kreuzte – nah genug, dass sie die Veränderung seiner Atmung wahrnahm. Sie sah, wie sich seine Nasenflügel blähten, als würde er sie dieses Mal absichtlich einatmen, und der Gedanke schickte ein neues, tiefes Ziehen in ihren Unterbauch. Er wollte diesen Duft an seine Laken fesseln, wollte den Trotz auf ihrer Zunge schmecken, bis sie denselben Hunger zugab, der auch an ihm nagte. Ihre Gedanken spiegelten das wider, durchsetzt von Zweifeln. War das nur das alte Muskelgedächtnis zweier Körper, die sich einst zu gut gekannt hatten, getarnt als etwas Neues, nur weil keiner von beiden schlafen konnte?
Eine weitere Runde brachte sie in die Nähe des Sofas, und dieses Mal wandte sich keiner von beiden ab. Carls tiefe Stimme durchschnitt die Stille, ein einziger Befehl, der keine Widerworte duldete. „Komm her.“ Die Worte landeten wie eine Berührung tief in ihrem Bauch, und obwohl sich ihr Blick scharf und rebellisch hob, trugen ihre Füße sie dennoch vorwärts, über den Punkt hinaus, an dem eine Weigerung überhaupt noch eine echte Option gewesen wäre. Sie blieb an der Rückenlehne des Sofas stehen, und seine Hände legten sich auf ihre Hüften; der erste Druck seiner Finger war leicht, fast prüfend, bevor er es nicht mehr war.
Mias Finger krallten sich in die Samtpolsterung, als Carls Hände ihre Hüften fixierten und ihren Oberkörper tiefer über die Rückenlehne drückten, bis sich ihre Wirbelsäule in einer steifen Linie bog und ihr Bauch an der Oberkante verankert war. Sie schob ihre Shorts in derselben Bewegung über ihre Hüften nach unten, in der er daran zog. Der Stoff verfing sich an ihren Knien, bevor er ihn ganz abstreifte, und sie hörte das tiefe Geräusch hinten in seiner Kehle, als nichts mehr zwischen ihnen war außer der dünnen Baumwolle ihres Tops, das sich an ihren Rippen hochgerollt hatte. Die Lehne des Sofas schnitt dort in ihren Bauch, wo sie sich darüber beugte, kühl und hart, während die Mitternachtsluft gegen ihre nackten Oberschenkel drückte. Sie behielt ihren stechenden Blick über die Schulter bei, die Augen fest auf Carls Gesicht gerichtet, selbst als ihr Körper dem Druck nachgab und sich ihre Beine auf den stummen Schubs seines Knies hin weiter spreizten. Jeder Muskel in ihren Armen brannte vor Anstrengung, die Position zu halten, aber sie weigerte sich, wegzusehen; ihr Kiefer fest angespannt gegen die Frage, die ihr noch immer im Hals steckte.
Carl schob seine Jogginghose gerade weit genug hinunter, um sich zu befreien. Der schwarze Stoff sammelte sich an seinen Oberschenkeln. Er lehnte sich vor, sein heißer Atem traf auf ihren Nacken, und er atmete den schwachen Duft ihrer Haut ein, der sich mit der abgestandenen Nachtluft der Wohnung vermischte. Sein Schwanz drängte nach vorn und glitt mit wohlüberlegter Reibung durch die feuchte Hitze ihres Eingangs, die Eichel dehnte sie Zentimeter für Zentimeter. Er sah, wie sich ihr Blick schärfte, spürte das trotzige Zusammenziehen ihrer inneren Wände um ihn herum, und die Besessenheit zog sich in seiner Brust wie eine Faust zusammen. Sie gehorchte dem Winkel, der Tiefe und dem Griff, den er verlangte, doch ihre Augen brannten vor ungebrochener Herausforderung und spiegelten den schlaflosen Hunger wider, der sich wochenlang durch die Wand in ihn gekrallt hatte.
Aus Mias Perspektive grub sich die Oberkante des Sofas mit jedem Vorstoß in ihre Hüftknochen, der Samt rutschte unter ihrem schweißnassen Griff, während Carls Stöße einen stetigen Rhythmus aufbauten. Ihre Muschi pochte um seinen Schwanz, das Ziehen und Schieben entfachte Nerven, die sie zu ignorieren versucht hatte. Aber sie hielt den Augenkontakt wie einen Panzer aufrecht und weigerte sich, die Lust ihren Gesichtsausdruck weicher machen zu lassen. Die unbeantwortete Frage pulsierte in ihrem Kopf – bedeutete das hier mehr als nur Gewohnheit? – selbst als ihr Körper nach vorne wippte und ihre Brüste bei jedem Stoß den Stoff ihres Tops streiften. Sie konnte spüren, wie seine Hände blaue Flecken auf ihren Hüften hinterließen und sie genau dort verankerten, wo er sie haben wollte, und ihr Blick forderte ihn heraus, dies anzuerkennen.
Carl verlagerte seinen Stand, presste seine Brust bündig gegen ihren Rücken, während eine Hand nach oben glitt, um sich in ihrem Haar zu verheddern. Er neigte seinen Kopf tief neben ihren, sodass seine Wange die ihre fast streifte, dort, wo sie an der Oberkante des Sofas ruhte. Der neue Winkel erlaubte es ihm, härter zuzustoßen, das feuchte Geräusch ihrer Vereinigung erfüllte den schummrigen Raum, und seine Hüften klatschten bei jedem Stoß gegen sie. Ihr Duft durchflutete ihn, scharf und intim, und zerrte an der obsessiven Endlosschleife in seinem Kopf: wie sie sich anfühlte, wie sie ihn selbst jetzt lautlos mit diesen Augen bekämpfte, gerade weit genug gedreht, um seinem Blick aus den Augenwinkeln standzuhalten, während ihr Körper jeden Befehl entgegennahm. Er stieß tiefer ein, spürte ihre Wände flattern, während sich seine eigene Erlösung eng an der Basis seiner Wirbelsäule zusammenzog.
Der einzige, brutale Stoß kam ohne Vorwarnung; Carls Hüften schnellten nach vorn, um seinen Schwanz bis zum Anschlag zu versenken. Die Eichel presste sich tief in ihr bündig an, in einer plötzlichen, erschütternden Verkeilung. Mias finsterer Blick brach für den Bruchteil einer Sekunde, als die Wucht ihren ganzen Körper gegen die Rückenlehne drückte. Ihre Fingerknöchel traten in der Polsterung weiß hervor, und jeder Muskel um ihn herum verkrampfte sich. Sie erstarrten in dieser Position und zitterten gemeinsam; sein Schwanz pulsierte dick und heiß in ihr, während ihr Orgasmus sie in engen, unwillkürlichen Krämpfen durchfuhr. Die gemeinsame Anspannung hielt sie in der Schwebe, die Atemzüge gingen stoßweise, der Höhepunkt zog sich in zitternder Stille in die Länge, bis die Erlösung in Nachbeben abebbte, die ihre Beine weich werden ließen.
Carl zog sich langsam zurück. Das Rausziehen hinterließ sie leer und schutzlos, immer noch über das Sofa gebeugt, unterhalb der Taille von nichts anderem bedeckt als der kühlen Nachtluft. Mia richtete sich auf zitternden Armen auf, die Muskeln bebten, als sie sich hochdrückte. Sie wandte sich gerade so weit über die Schulter, um seinem Blick wieder zu begegnen, ihre Atmung unregelmäßig. Er streckte die Hand aus, seine Finger strichen ihr das feuchte Haar von der Schläfe in einer Berührung, die einen Bruchteil zu lange verweilte, bevor er die Hand fallen ließ – und die Stille zwischen ihnen war dicht von derselben Schlaflosigkeit, mit der alles begonnen hatte.
