Erotische Massage: So massierst du den ganzen Körper
Eine erotische Massage ist Berührung des ganzen Körpers, die nicht verspannte Muskeln lösen soll, sondern Lust wecken darf: langsam, warm und mit viel Haut auf Haut. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du den Raum vorbereitest, was du als Öl oder Gel nimmst, welche Griffe du brauchst und wie eine Route über den Körper aussehen kann, Zone für Zone. Dazu kommt, was die Forschung über erogene Zonen wirklich sagt. Die Füße schneiden dabei schlechter ab, als ihr Ruf vermuten lässt.
Was heißt erotische Massage?
Kurz gesagt: Es ist eine Massage des Körpers, bei der Genuss und sexuelle Erregung das Ziel sind. Eine therapeutische Massage arbeitet an Muskeln und Beschwerden. Bei der erotischen Massage geht es um das, was du spürst: wie sich eine Hand anfühlt, die langsam über den Rücken gleitet, und wie die Erwartung wächst, wenn sie sich empfindlicheren Stellen nähert.
Oft wird sie mit der Intimmassage verwechselt. Dort stehen die Geschlechtsteile und ihre Umgebung im Mittelpunkt. Die erotische Massage umfasst dagegen Kopf, Rücken, Brust, Po, Arme, Hände, Beine und Füße. Die Genitalien kommen höchstens am Ende dazu, wenn ihr beide das wollt. Sie kann ein Vorspiel sein. Sie darf aber auch für sich stehen und ohne Sex enden.
In diesem Ratgeber heißt die Person, die massiert wird, „wer empfängt“ oder „dein Gegenüber“. Die Griffe funktionieren unabhängig von Geschlecht und Paarkonstellation.
Was die Forschung über erogene Zonen sagt
Viele glauben, Erotik sitze nur an wenigen bestimmten Stellen. Drei Untersuchungen zeigen ein etwas anderes Bild, jede mit klaren Grenzen:
Quellen: Nummenmaa u. a. 2016, Topography of Human Erogenous Zones · Turnbull u. a., Bangor University · Morhenn u. a. 2012, Massage increases oxytocin
Die erste Studie fragte die Vorstellung ab und maß keine echte Berührung. Trotzdem ist das Ergebnis für dich nützlich: Die markierte Fläche war beim Sex mit einer anderen Person größer als bei der Selbstbefriedigung. Die Forschenden schließen daraus, dass Berührung fast überall am Körper erregen kann, und sie vermuten dahinter auch eine Rolle für die Bindung zwischen zwei Menschen.
Beim Oxytocin solltest du nicht zu viel hineinlesen. Der Versuch lief mit 65 Personen in der Massagegruppe und 30 in der Ruhegruppe, die Teilnehmenden wurden bezahlt, und massiert wurde mit mittlerem Druck unter Studienbedingungen, nicht erotisch. Die Autoren schreiben selbst, dass frühere Studien zu Massage und Oxytocin uneinheitlich waren. Über Lust sagt der Versuch nichts aus.
Die Überraschung bei den Füßen: Das Bangor-Team prüfte die Theorie, dass Füße erregen, weil sie im Gehirn neben den Genitalien abgebildet sind. Die Auswertung stützte das nicht. Die Forschenden fanden, dass Füße bei Berührung offenbar nicht als erogen gelten. Prof. Turnbull vermutet die Erklärung eher in der Inselrinde, einem Hirnbereich, der auch langsame Berührung verarbeitet. Das ist eine Vermutung. Für dich heißt es trotzdem: Nimm dir Zeit, und erwarte von den Füßen vor allem Entspannung.
So bereitest du die Massage vor
Eine gute Massage beginnt, bevor du dein Gegenüber berührst. Wenn der Raum warm und ruhig ist, könnt ihr beide leichter abschalten:
Leicht essen
Niemand sollte hungrig oder übersatt sein. Ein knurrender Magen lenkt ab, ein voller macht müde. Esst vorher lieber etwas Leichtes.
Den Raum heizen
Dreh die Heizung rechtzeitig höher, als du es sonst gewohnt bist. Nackte, geölte Haut kühlt schnell aus, und wer friert, entspannt nicht. Frag nach, ob die Temperatur passt.
Das Licht dämpfen
Kerzen oder eine schwache Lampe reichen. Lass Kerzen nie unbeaufsichtigt und häng keine Tücher über heiße Leuchten. Stell lieber eine kleinere Lampe auf.
Weich liegen
Das Bett oder Decken auf dem Boden, darüber alte Handtücher. Die Handtücher nehmen das Öl auf, und die Bettwäsche bleibt sauber. Kissen legst du griffbereit.
Öl griffbereit stellen
Stell die Flasche in eine Schüssel mit warmem Wasser. Reib das Öl immer erst zwischen den Händen, bevor es die Haut berührt.
Störungen abstellen
Handys aus oder in ein anderes Zimmer. Ruhige Musik als Playlist hilft, ohne dass jemand etwas bedienen muss. Sie sollte lang genug laufen.
Dich selbst vorbereiten
Kurze Nägel, warme Hände, keine Ringe, Uhren oder Armbänder. Duscht vorher, wenn ihr mögt. Schmuck stört nur und kann kratzen.
Kurz absprechen
Sagt vorher, was ihr euch wünscht und was nicht. Soll es mit Sex enden oder einfach eine Massage bleiben? Klar ist: Jeder kann jederzeit stoppen.

Öl, Gel oder Lotion?
Was du nimmst, entscheidet darüber, wie lange die Hände gleiten und was danach noch möglich ist:
| Mittel | Auf der Haut | Darauf musst du achten |
|---|---|---|
| Massageöl | Gleitet lang und muss selten nachgelegt werden. | Greift Latexkondome an und hat in der Scheide nichts verloren. Flecken gehen schwer heraus. |
| Gel auf Wasserbasis | Trocknet schneller. Etwas Wasser oder mehr Gel macht es wieder glatt. | Lässt sich leicht abwaschen und verträgt sich mit Kondomen. Schau trotzdem auf die Packung. |
| Bodylotion | Zieht meist schnell ein und reicht kaum für eine lange Massage. | Eher etwas für danach, nicht als Gleitmittel. |
Das mit dem Latex ist kein Detail. Laut Stiftung Warentest greifen Mittel mit Öl oder Fett normale Latexkondome an und lassen sie reißen, auch Babyöl und Vaseline. Gele auf Wasserbasis vertragen sich dagegen mit Kondomen und lassen sich leicht abwaschen. Auch die AOK warnt, dass Vaseline und Babyöl Latex zersetzen können, und rät, die Hinweise auf der Packung zu beachten. Soll die Massage in Sex mit Kondom übergehen, nimm also ein Gel auf Wasserbasis, oder wasch das Öl vorher gründlich ab. Mehr dazu steht im Kaufberater zu Gleitgelen.
Auch in die Scheide gehört Öl nicht. In einer kleinen Kohortenstudie aus Los Angeles mit 141 Frauen hatten die, die im Vormonat Öl in die Scheide eingebracht hatten, häufiger eine Candida-Besiedlung: 44,4 % gegenüber 5 %. Gut die Hälfte von ihnen hatte also keine. Der Wert stammt aus einem einfachen Vergleich und belegt keine Ursache (Brown u. a. 2013). Für eine Massage auf der Haut sagt die Studie nichts aus. Sie ist aber ein Grund, bei intimen Stellen zu wechseln.
Hat dein Gegenüber empfindliche Haut oder eine bekannte Allergie, dann probiert ein neues Produkt zuerst auf einer kleinen Stelle aus und schaut auf die Inhaltsstoffe. Rötet sich die Haut oder juckt sie, wascht das Mittel ab und nehmt es nicht weiter.
Die sechs Griffe, die du brauchst
Du brauchst keine Ausbildung. Mit diesen sechs Griffen wird eine lange Massage abwechslungsreich:
Lange Streichungen
Flache, warme Hände gleiten langsam über große Flächen wie Rücken und Beine. Damit beginnst du, verteilst das Öl und machst Pausen zwischen anderen Griffen.
Kneten
Hebe den Muskel leicht zwischen Daumen und Fingern an, wie beim Teigkneten. Das passt zu Schultern, Po und Oberschenkeln.
Daumenkreise
Kleine, feste Kreise mit den Daumen für Nacken, Schulterblätter, Handflächen und Fußsohlen.
Federleichte Striche
Nur Fingerspitzen oder Nägel, kaum spürbar auf der Haut. Das eignet sich als Kontrast nach festeren Griffen.
Unterarm
Lass den ganzen Unterarm über Rücken oder Oberschenkel gleiten. Das gibt einen breiten, ruhigen Druck, der sich anders anfühlt als Hände.
Stillhalten
Leg beide Hände flach auf den Körper und halte für ein paar Atemzüge still. Das passt beim Zonenwechsel und wenn die Erwartung wachsen soll.
Lass den Kontakt nicht abreißen
Der einfachste Trick: Lass möglichst immer eine Hand auf dem Körper, auch wenn du Öl nachnimmst oder dich umsetzt. Sonst ist dein Gegenüber jedes Mal kurz wieder wach und gespannt, wo du als Nächstes hingreifst. Das ist kein Gesetz, nur eine Erfahrung aus der Praxis, die du leicht ausprobieren kannst.
Die Route: von außen nach innen
Beginne dort, wo sich Berührung vertraut und entspannend anfühlt, und nähere dich langsam den empfindlicheren Stellen. Diese Route ist ein Vorschlag. Du kannst sie jederzeit verlassen. Zeiten und Wiederholungen legt ihr selbst fest, denn das Tempo bestimmt, wer empfängt.
1. Kopfhaut und Nacken
Dein Gegenüber liegt bequem mit dem Kopf auf einem Kissen. Du sitzt oder stehst hinter dem Kopf. Dann gehst du so vor:
- Lege die Hände auf die Stirn und streiche im Wechsel von der Nasenwurzel bis zum Haaransatz. Wiederhole das, solange es angenehm ist.
- Spreize die Finger und massiere die Kopfhaut in kleinen, ruhigen Kreisen, wie beim Haarewaschen, nur langsamer.
- Lege Zeige- und Mittelfinger auf die Schläfen und kreise dort sanft.
- Streiche zum Schluss in den Nacken und mit den Daumen an den Muskeln neben der Wirbelsäule hoch bis zum Haaransatz. Drück nicht auf den Kehlkopf oder die Vorderseite des Halses.
Wenn es erotischer werden soll: Lass die Finger an den Ohren entlang bis zu den Ohrläppchen gleiten. Auch Atem, Lippen oder ein Kuss im Nacken passen hier gut, wenn dein Gegenüber das mag. Frag einfach nach.
2. Schultern und Rücken
Dein Gegenüber liegt auf dem Bauch, die Hände unter dem Kopf oder neben dem Körper. Für viele ist der Rücken der größte Teil der Massage, schon weil er so viel Fläche bietet:
- Wärme Öl in den Händen und streiche mit flachen Händen von den Schultern bis zum Po und über die Seiten zurück. Wiederhole das, bis die Haut warm ist.
- Knete die Schultern und die Muskeln zwischen den Schulterblättern.
- Fahre mit den Daumen links und rechts neben der Wirbelsäule nach oben, nicht direkt auf den Knochen.
- Gleite wieder bis zum Kreuz, halte dort an und massiere mit kreisenden Bewegungen.
Dass es sich gut anfühlt, liegt oft auch daran, dass der Rücken nach einem langen Tag schlicht fest sein kann. Bei echten Rückenbeschwerden ist die erotische Massage aber keine Behandlung.
Wenn es erotischer werden soll: Wechsle von flachen Händen zu federleichten Fingerspitzen. Oder lehne dich vor, sodass Brust und Bauch den Rücken kurz berühren. Auch Lippen und Zunge sind hier möglich, Zähne nur ganz vorsichtig. Lass die Hände nach jeder Runde etwas tiefer gleiten, und kehre um, bevor du den Po erreichst.
3. Arme und Hände

Arme und Hände werden gern übersprungen, obwohl sie täglich viel arbeiten. Dein Gegenüber entscheidet selbst, ob es dabei auf Bauch oder Rücken liegt. So kann es weitergehen:
- Massiere mit den Daumen kreisend die Handfläche. Passe den Druck an das an, was sich gut anfühlt.
- Streiche von der Handwurzel bis zu den Fingerspitzen und zieh jeden Finger einzeln langsam durch deine Finger.
- Fahre mit den Fingerspitzen am Arm auf und ab, so leicht, dass es fast kitzelt.
- Umfasse das Handgelenk mit Daumen und Zeigefinger und mache kleine Kreise, während die freie Hand mit zwei Fingern am Unterarm entlangstreicht.
- Knete den Arm vom Handgelenk aufwärts. Dann ist der andere Arm dran.
Probiere aus, ob die Innenseite des Arms für dein Gegenüber empfindlicher ist als die Außenseite. Das geht vielen so, aber es gilt nicht für alle.
Wenn es erotischer werden soll: Küsse die Innenseite des Handgelenks. Oder lass die Hand deines Gegenübers ab und zu über deinen Körper streifen, während du den Arm massierst, wenn das für euch beide passt.
4. Kreuz und Hüften
Hier darf der Druck etwas fester sein. Kreise mit beiden Handflächen über das Kreuz und streiche seitlich über die Hüften zum Po hinunter. Für tieferen Druck nimmst du den Handballen. Frag nach, ob es angenehm ist, und drücke nie direkt auf die Wirbelsäule.
Wenn es erotischer werden soll: Geh bei jeder Runde etwas tiefer, und dreh wieder um, kurz bevor du den Po erreichst. Für manche ist gerade diese Erwartung der reizvollste Teil.
5. Der Po
Der große Muskel verträgt einen festeren Griff. Beginne trotzdem leicht:
- Streiche zuerst nur mit den Fingerspitzen über die Haut.
- Lege die flachen Hände auf die Pobacken und forme Kreise, die langsam größer werden.
- Knete den Muskel, und streiche vom Oberschenkel über den Po zu den Seiten.
- Kneif, wenn überhaupt, nur sanft und ohne dass es schmerzt.
Der Po gehört für viele zu den intimen Zonen. Manche genießen es, dort berührt zu werden, andere genießen das Berühren selbst. Manche möchten dort auch gar nicht angefasst werden, und das ist genauso in Ordnung.
Wenn es erotischer werden soll: Lass die Daumen in die Falte zwischen Po und Oberschenkel gleiten. Soll es Richtung After gehen, dann sprecht das vorher ab, und wechselt zu einem Gel auf Wasserbasis. Berührung dort ist nur dann gut, wenn sie ausdrücklich gewollt ist. Danach Hände waschen, bevor sie an die Scheide kommen. Vertiefen kannst du das Thema in den Ratgebern zu Rimming und Analsex. Toys dafür findest du unter Analtoys.
6. Oberschenkel und Kniekehlen
Streiche lang vom Knie über die Rückseite des Oberschenkels nach oben. Knete die Muskeln und arbeite dich langsam zur Innenseite vor. Die Kniekehle berührst du nur leicht, denn die Haut ist dort weich und für manche überraschend empfindlich.
Wenn es erotischer werden soll: Die Innenseite der Oberschenkel ist ein guter Ort für das Spiel mit der Nähe. Komm nah heran und zieh dich wieder zurück.
7. Füße

Füße sind oft trocken, also nimm etwas mehr Öl. Dreht sich dein Gegenüber dafür auf den Rücken, kommt ein Kissen unter die Knie.
- Setz oder stell dich an die Füße.
- Umfasse die Ferse und heb den Fuß leicht an, damit du Ferse und Fußballen mit den Daumen massieren kannst.
- Kreise unter der Sohle von der Ferse zu den Zehen.
- Leg den Fuß behutsam ab und massiere die Zehen einzeln.
- Dann ist der andere Fuß dran.
Wer kitzelig ist, hat es mit festem Druck meist leichter als mit leichtem. Die alte Behauptung, die Füße hätten eine direkte Verbindung zum Unterleib, konnten wir nicht belegen, und die Bangor-Untersuchung spricht eher dagegen.
Wenn es erotischer werden soll: Für Menschen mit einer Vorliebe für Füße kann schon die normale Massage reizvoll sein. Mund und Zunge an den Zehen sind eine Option, wenn ihr das beide wollt.
Wenden: Brust, Bauch und Innenschenkel
Bitte dein Gegenüber, sich umzudrehen, und leg bei Bedarf ein Kissen unter die Knie. Die Arme liegen entspannt am Körper. Du kannst dich auch auf die Oberschenkel setzen, wenn dein Gewicht nicht stört. Im Zweifel massierst du lieber von der Seite.
- Streiche mit flachen Händen vom Bauch über die Brust und zu den Schultern.
- Kreise auf Brustkorb oder Brüsten, zuerst ohne die Brustwarzen zu berühren. Bei Männern wie bei Frauen ist die Brust oft unterschätzt.
- Wird es angenehm, kannst du die Brüste sanft zusammenschieben und wieder auseinanderziehen. Fang vorsichtig an und achte auf Reaktionen, denn Brüste können mal mehr, mal weniger empfindlich sein.
- Reize die Brustwarzen mit Fingern, Mund oder Zunge, aber nur, wenn es gewünscht ist.
- Fahre über den Bauch und an der Leiste entlang zu den Innenschenkeln.
Wenn es erotischer werden soll: Nimm eine Feder aus der Kategorie Federn & Tickler und streiche damit über Bauch und Brust. Oder lass dein Gegenüber deinen Körper spüren, während du massierst. Wird es hier intim, seid ihr an der Grenze zur Intimmassage. Wechselt dann zu Gel, wenn ihr weitermachen wollt.
So baust du Spannung auf
Oft macht nicht der Griff die Massage erotisch, sondern die Erwartung. Fünf Möglichkeiten:
- Nah kommen und umkehren. Nähere dich Innenschenkel, Brust oder Po, und dreh kurz vorher um. Das kannst du die ganze Massage hindurch tun.
- Tempo halbieren. Wenn du glaubst, du bist langsam, geh noch langsamer. Das gibt Zeit zum Spüren. Es passt auch zu Turnbulls Vermutung, dass langsame Berührung eine eigene Rolle spielt.
- Mehr als nur Hände. Lippen, Atem, Haare oder deine Brust am Rücken bringen Abwechslung, wenn die Hände vorhersehbar geworden sind.
- Augenbinde. Ohne Sehen weiß dein Gegenüber nicht, wo die nächste Berührung landet. Das sollte vorher abgesprochen sein. Passendes findest du unter Augenbinden.
- Temperatur. Wechsle zwischen warmen Händen und einem kühlen Tuch oder einer Feder. Teste vorher an deinem Handgelenk, ob nichts zu heiß ist.
Massage ohne Ziel: Sensate Focus
William Masters und Virginia Johnson entwickelten eine Übung, die heute in der Sexualtherapie genutzt wird: Sensate Focus. Das Prinzip beschreibt die Fachgesellschaft ISSM so: Ihr berührt euch abwechselnd und richtet die Aufmerksamkeit auf das Spüren statt auf Leistung und Ziele. Am Anfang ist die Berührung nicht sexuell. Erst später kommt sexuelle Berührung dazu. Die Übung soll helfen, zum Beispiel bei Leistungsangst oder Erektionsproblemen.
Für eure Massage könnt ihr daraus eine einfache Regel machen: Heute muss nichts passieren. Kein Orgasmus, kein Sex. Wer massiert, darf neugierig sein. Wer massiert wird, sagt, was gefällt und was nicht. Ein therapeutisches Programm ersetzt das nicht. Habt ihr länger Schwierigkeiten mit Lust oder Erregung, kann eine Sexualberatung oder eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein.
Redet miteinander
Druck und Tempo sind sehr persönlich. Was für den einen großartig ist, kitzelt den anderen oder ist zu fest. Redet deshalb vorab darüber, ob die Massage mit Sex enden kann oder einfach nur eine Massage bleibt. Das nimmt Druck von euch beiden.
Zwischendurch reichen kurze Fragen: „Mehr oder weniger Druck?“ oder „Soll ich hier bleiben?“. Manche Paare nutzen eine Skala von eins bis fünf für den Druck. Wer empfängt, darf ruhig „etwas tiefer“ sagen oder hörbar zeigen, was gut tut. Und wer „stopp“ sagt, wird nicht überredet. Das gilt auch dann, wenn es vorher anders abgesprochen war.
Wenn aus der Massage mehr wird
Ist der Körper warm und entspannt, kann es von selbst weitergehen, in eurem Tempo:
- Intimmassage: Langsame Massage der Genitalien. Dazu gibt es einen eigenen Ratgeber zur Intimmassage.
- Handjob und Oralsex: Lies die Ratgeber zum Handjob, zum Blowjob und zum Oralverkehr.
- Körper an Körper: Wollt ihr den ganzen Körper einsetzen, passt die Nuru-Massage dazu.
Denkt an das Kondom: Hattet ihr Massageöl, wascht es vorher von Händen und Genitalien ab, oder nehmt Kondome aus einem Material, das Öl verträgt. Eine Auswahl steht im Kaufberater zu Kondomen.
Fünf Mythen über erotische Massage
Mythos: Die Füße sind direkt mit dem Unterleib verbunden
Dafür haben wir keinen Beleg gefunden. In der Bangor-Untersuchung galten Füße nicht als erogen, und die Hirntheorie dazu ließ sich nicht stützen.
Mythos: Fester Druck ist am besten
Eine erotische Massage ist keine Sportmassage. Probiert wechselnde Stärken aus und fragt nach. Die richtige Antwort gibt nur dein Gegenüber.
Mythos: Massageöl taugt als Gleitmittel
Nicht mit Latexkondom, denn laut Stiftung Warentest greift Öl das Material an. Und in die Scheide gehört es auch nicht. Nimm ein Gel auf Wasserbasis.
Mythos: Sie muss mit Sex enden
Sie kann ein Vorspiel sein, aber ebenso eine Massage bleiben. Sprecht das vorher ab, dann könnt ihr beide entspannen.
Mythos: Du brauchst eine Ausbildung
Einfache Griffe und Aufmerksamkeit reichen. Eine Massage bei Beschwerden ist etwas anderes, dafür ist die Physiotherapie da.
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Häufige Fragen zur erotischen Massage
Was ist eine erotische Massage?
Eine Massage des ganzen Körpers, bei der Genuss und sexuelle Erregung das Ziel sind, nicht das Lösen von Beschwerden. Die Genitalien kommen höchstens am Ende dazu, wenn ihr das beide möchtet.
Was ist der Unterschied zur Intimmassage?
Die erotische Massage umfasst den ganzen Körper. Die Intimmassage konzentriert sich auf die Geschlechtsteile und ihre Umgebung.
Welches Öl eignet sich?
Ein Massageöl, das gut gleitet und nicht klebt. Soll ein Latexkondom dazukommen oder die Massage intim werden, nimm ein Gel auf Wasserbasis, denn Öl greift Latex an. Massageöl bei Orion (Anzeige)
Kann ich Massageöl als Gleitmittel benutzen?
Nicht in der Scheide und nicht mit Latexkondomen. Stiftung Warentest und AOK warnen vor Öl und Vaseline bei Latex. In einer kleinen US-Studie hing Öl in der Scheide mit häufigerer Candida-Besiedlung zusammen, eine Ursache belegt das nicht.
Wie lange dauert eine erotische Massage?
Dafür gibt es keine Regel. Plane so viel Zeit ein, dass niemand auf die Uhr schauen muss, denn die Langsamkeit macht viel vom Reiz aus.
Wie warm sollte der Raum sein?
Wärmer, als du es gewohnt bist, weil die nackte, geölte Haut schnell auskühlt. Eine feste Gradzahl haben wir nicht gefunden. Richtet euch danach, dass niemand friert.
Muss eine erotische Massage mit Sex enden?
Nein. Sie kann ein Vorspiel sein oder einfach eine Massage bleiben. Sprecht das vorher ab, und jeder kann jederzeit stoppen.
Welche Körperstellen sind am erogensten?
In der Studie mit 704 Personen waren es vor allem Genitalien, Brüste und After, aber fast der ganze Körper wurde markiert. Füße galten in der Bangor-Untersuchung nicht als erogen. Am Ende zählt, was dein Gegenüber sagt.
Quellen
- Nummenmaa u. a. 2016: Topography of Human Erogenous Zones (PubMed)
- Bangor University 2013: The neuroscience of erogenous zones (zu Turnbull u. a.)
- Morhenn u. a. 2012: Massage increases oxytocin and reduces adrenocorticotropin hormone in humans (PubMed)
- Brown u. a. 2013: Intravaginal practices and risk of bacterial vaginosis and candidiasis infection (PubMed)
- Stiftung Warentest 2007: Gleitmittel, Für reibungslosen Sex
- AOK: Veränderungen der Scheide im Alter (Gleitmittel und Kondome)
- ISSM: What Is the Sensate Focus Technique?
